Szenenfoto aus der Wolfsburger Innenstadt

Wie sollen sich da Hund und Katze Gute Nacht sagen können?

Deutscher Fussball-Meister

Aufrüsten in Wolfsburg — Planung der Meisterfeier schon jetzt

19.09.2004. Die Tabelle des fünften Spieltages weist den VfL Wolfsburg als Spitzenreiter aus. 03.10.2004. Die Tabelle des siebten Spieltages weist den VfL Wolfsburg als Spitzenreiter aus. Wer auch immer es wirklich aufgebracht hat, ist ungewiss. War es einer aus dem Team? Egal. In Wolfsburg wird seit diesem Tag an der Meisterfeier am 21.05.2005 geplant.

Und da es in Wolfsburg vieles nicht gibt, gibt es auch keinen Meisterbalkon. Kein Problem. Die BILD-Zeitung hat bewirkt, dass Audi sich um dieses Problem kümmern wird.

24.10.2004. Die Tabelle des neunten Spieltages weist den VfL Wolfsburg wieder als Spitzenreiter aus. Und da es in Wolfsburg trotz allem Audi-Engagement immer noch vieles nicht gibt, muss das Schwalbe-Magazin aktiv werden. Kein Problem. Wir decken die weiteren Notwendigkeiten einer Meisterfeier auf und schlagen vor, wer sich um die Organisation und die Beseitigung möglicher Missstände zu kümmern hat.

Am Wochenende vom 20.05.-22.05.2005 muss das letzte Saisonspiel des VfL Wolfsburg auf einer Großleinwand auf einem zentralen Platz der Stadt übertragen und von zehntausenden von begeisterten Fans geschaut werden. Kein Problem. Der Samstagsmarkt wird trotz Protesten verdrängt. Sollen die doch in Braunschweig verkaufen. In der dritten Liga.

Am späten Nachmittag bzw. am frühen Abend muss ein Empfang durch den Oberbürgermeister der Stadt und die Eintragung der Mannschaft ins Goldene Buch der Stadt Wolfsburg stattfinden. Kein Problem. Da es im Rathaus keinen großen Raum gibt, wird dieser bewegende Moment für die Medien in einem Konferenzsaal der Volkswagen AG nachgestellt. Merkt sowieso keiner. Wer kennt schon das Wolfsburger Rathaus?

Comeback von Roy Präger

Samstags frühabends oder sonntags vormittags muss ein LKW- bzw. Autokorso durch die Stadt (getestet durch Effe, der ja auch durch die Einkaufszone bretterte) durchgeführt werden, bei dem sich die Spieler der begeisterten Menge präsentieren und sich die Ankunftszeit des Trosses sekündlich um Minuten verschiebt, weil der Andrang so groß ist und die Wagen immer wieder aufgehalten werden. Kein Problem. Die VW-Schichtarbeiter werden PR-wirksam auf die Straße geschickt. Bezahlt wird pro Kreuzung, wo die Angestellten stehen und pro nachweislich blockiertem Fahrzeug. PR-Chef Mickeleit sorgt für wechselnde Kleidung der VW-Arbeiter.

Spätestens am Sonntagmittag muss die Mannschaft mitsamt der Schale auf dem zentralen (Rathaus-)Platz in Wolfsburg der begeisterten Anhängerschar und einem Meer in grün und weiß präsentiert werden. Kein Problem. So kommt auch die Frühschicht zu ihrem Spaß und Mickeleits Team verteilt diesmal vereinsfarbene Textilien.

Im Zuge dieser Präsentation wird gemeinsam mit den treuen Anhängern des Vereins (eine kleine Gruppe ehemaliger Kicker um Roy Präger) gefeiert und geschunkelt und die Welle gemacht und vor allem gemeinsam die Vereinshymne (?!) gesungen. Die Spieler tun dabei so, als ob sie heiser seien und fette Sonnenbrillen tragen müssten.

Spätestens seit Freitagabend muss ausgelassene Stimmung (hmm, ist ja noch ein wenig Planungszeit) in allen Kneipen der Stadt (hmm, noch Zeit genug?) herrschen und am Samstag wird von einer Brauerei zwischen 1800 und 1900 Uhr überall Freibier versprochen. Dieses Szenario darf nicht vor Montagmorgen enden. Kein Problem. Die Bürgersteigehochklapper bekommen Kinokarten für Hannover und jeder zweite ICE aus Berlin hält auch in Wolfsburg. Zudem gibt es ja bei VW das 3-Schicht-System. Während der gesamten Feierlichkeiten müssen mindestens fünf NDR-Teams auf Schritt und Tritt der Mannschaft folgen und alle absurden Fragen stellen, die einem Menschen einfallen. Berichtet werden muss auch immer wieder von den tobenden Massen und der feucht-fröhlichen Stimmung in der Stadt und bei den Fans. Betont werden muss, dass auch viele weibliche Fans den Weg auf die Straße gefunden haben. Kein Problem. Im Zuge der Einführung von Ein-Euro-Jobs sollte die Umgebung der Stadt doch frohlocken.

Der EU-Osterweiterung sei Dank

In der Einkaufszone müssen Karussells aufgestellt und eine Kirmesatmosphäre geschaffen werden. Kein Problem. Ein VW-Konzernsprecher verkündet einfach die tatsächlichen Unternehmenspläne bezüglich des Sparpaketes.

Dieses „unglaubliche Ereignis“ muss etliche Beziehungen der Fans in die Brüche gehen lassen, weil der VfL „alles für mich ist“ und „heute der schönste Tag in meinem Leben ist.“ Kein Problem. Da mögen doch asiatische und osteuropäische Frauen ihren Beitrag leisten.

Die Straßen müssen verstopft sein. Autokorsi müssen stattfinden und es muss Dauergehupe zu hören sein, wobei Fahnen, Schals sowie nackte und bemalte Körper aus den Autos heraushängen müssen, die drei Tage lang um die Häuser kurven. Kein Problem. Die Testfahrer werden in die Innenstadt umgeleitet und Gehupe wird von einem Automobilwerk doch wohl ausgehen können. Dank der 1300 km ohne Tankfüllung können auch die drei Tage eingehalten werden.

An allen Ecken der Stadt muss der Verkauf von billigem Dosenbier aus privaten Kofferräumen stattfinden. Kein Problem. Für derartig gute Zwecke hat die Regierung die Ein-Euro-Jobber ja sowieso vorgesehen.

Unerlässlich ist ein Kopulationswahn. Wildfremde müssen jeden umarmen und küssen wollen. In dieser Nacht müssen Söhne gezeugt werden, die dann beim VfL spielen werden, wenn sie älter sind. Kein Problem. Dank der EU-Erweiterung Richtung Osten ergeben sich da Perspektiven, von denen man in Niedersachsen noch lange reden wird.

Schließlich müssen die Übernachtungen unter freiem Himmel auf irgendwelchen Plätzen und Bänken oder in irgendwelchen Parks, auf irgendwelchen Wiesen und unter Brücken geschehen, und zwar in irgendwelchen Flüssigkeitslachen. Kein Problem. Auch hier sollte ein Automobilproduktionswerk genügend Material zur Verfügung stellen können: Bremsflüssigkeit, Scheibenwaschanlagenflüssigkeit, Motoröl, Kühlflüssigkeit.

Wenn das alles wie geplant umgesetzt werden kann, werden die Wolfsburger ein würdiger Meister sein und die ganze Nation wird respekt- und neidvoll nach Niedersachsen blicken.

Schön.